ody | triumphe | links | copyright | impressum  
  odystexte  

     
   
     

     
   
     
     
 

Getränke-Senryû für die ...

Logo Madame
Bier
Geh'n will ich noch nicht,
wo 's grad so schön ist mit dir.
Noch zwei Bier, bitte!


Champagner
Ach schenk mir nur ein,
schaumgeborene Venus,
das perlende Nass.


Softdrinks
Du Nacht bist noch jung.
Mit dir will ich alt werden
und doch frisch bleiben.


Wein
Die Wahrheit such ich
ohne Farbvorbehalt in
umglasten Welten.


Longdrinks
Nur dieses Glas lang
sollte mein Leben währen,
sich langsam leeren.
Liköre
Die Lebensgröße:
Oft im Kleinen gefunden,
manchmal im Kurzen.


Kaffee
Die Hitze der Nacht
in meine Tasse gefüllt.
Dampfende Hoffnung.


Tee
Mit kleinen Schlucken
ein wärmendes Bad nehmen
in all den Menschen.


Hochprozentiges
„Gebt mir Prozente“,
rief ich aus, und sie wurden
mir im Glas kredenzt.


Haiku in Solinger Platt

Pläuschchen
De aule Flecken
em Deschduoke makt nix. Ech
sett en Blömken dropp.

Deschduok = Tischtuch
 
Ens is nit immer,
on tweimol es nit döckes,
äwwer einmol mieh.

döckes = oft
Nu böss du dud, du
fiese Möpp. Ich driet jet dropp
Kaputt, nen nöüuen.


 
Wenn iersch der Herfst kütt,
dann hätt su mancher kein
Pannen mieh om Dak.

keine Pfannen auf dem Dach haben,
bedeutet hier auch:
Keine Haare mehr auf dem Kopf haben!


Frühling

frühling
Frühlingsreflexe.
In Forsythienblüten
spielt das Sonnenlicht.
 
Mit weichen Knien
sinkt ein Schneemann in den Arm
der Frühlingssonne.
Die Schlehen blühen.
Kleine weiße Wolken, die
vom Himmel fielen.
 
Weißes Hermelin,
vom nahen Frühling enttarnt,
sehnt sich nach Bräune.


Sommer

sommer
Reif und sommersatt,
sehnen sich Sonnenblumen
in den frühen Herbst.
 
Sattgrüne Palmen,
in Meeresbrisen gelullt,
wiegen sich zur Nacht.
Zarter Nachtfalter,
vom lodernden Licht gelockt,
verglüht im Feuer.
 
Das zarte Glitzern
der flirrenden Kolibris
tanzt in den Blüten.


Herbst

herbst
Herbststürme spielen
für den kommenden Winter
die Vogelscheuche.
 
Von draußen klopfen
Regentropfen ans Fenster.
Sorry! Kein Einlass!
Ein Kälteeinbruch
lässt das letzte Herbstlächeln
im Nu gefrieren


Winter

winter
Das letzte Rosenrot
verblasst im ersten Tanzen
zarter Schneeflocken.
Zarte Eisblumen
verblühen im Sonnenlicht
an meinem Fenster.


Tier-Haiku

natur
Die Kokosnuss fällt.
Ein Orang Utan wandert
ins Land der Träume.
 
Kakadus im Sturm.
Flatternde Versuche,
Balance zu halten.
 
Alte Fledermaus
mit Ultraschall-Störungen
kollidiert mit Palme.
Schweine im Weltall.
Ringelschwänzchen propellern
durchs Universum
 
Munteres Quaken
auf den Seerosen-Blättern.
Ein Reiher wartet.
 
Papayas gären.
Hungrige Rote Aras
werden langsam blau.


Senryû

senryû
Wenn du so lächelst,
ersauf ich sang und klanglos
in deinen Augen.
 
Angst kriecht wie Nebel,
verschleiert mir die Farben.
Die Welt scheint so grau.
Dein nachtlanger Kuss
lässt mich den frühen Morgen
zum Abend wünschen.
 
Der erste Morgen,
Sonnenstrahlen spiegeln sich
in deinen Augen.



Senryû - Abschiede

Abschied
An eurem Grabe
erwachsen geworden; bin
niemandes Kind mehr.
 
Eine Kerze brennt.
Auf eurem Grab schmilzt der Schnee.
Christrosen blühen.
Die Koffer gepackt.
Darauf sitzen und warten,
bis ich gehen mag.
 
Unser altes Haus:
Voller Erinnerungen.
Und ich mitten drin.
   
  © für alle haiku by ody



Was ist ein Haiku?
Das Haiku ist ein kurzes japanisches Gedicht, das aus drei Verszeilen besteht (5-7-5 Silben). Diese Art der Dichtung wird im allgemeinen siebenhundert Jahre zurückdatiert. Thema ist die Natur, wobei "Natur" hier sehr weitgefasst werden darf.


Was ist ein Senryû?
Eine andere Form des Haiku ist das Senryû. Genau wie beim Haiku, ist die Silbenform 5-7-5 . Was es wesentlich vom Haiku unterscheidet, ist der fehlende Bezug zur Natur und zu den Jahreszeiten. Seine Inhalte sind mitunter persönlich, können aber auch erotisch, oder gar satirisch-kritisch sein.

Diese Form der japanischen Kurzlyrik ist schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt und nach ihrem Begründer Karai Hachiemon benannt, der seine ersten Veröffentlichungen mit seinem Künstlernamen Senryû signierte.