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Im Schlafe
Wie oft im Leben wünschte ich,
dass mich der Schlaf befreien möge,
und aus des Lebens Fesseln mich
in einen neuen Anfang zöge.

Wie oft schon trug er mich auf Händen
und ließ mich traumverlor'n verwinden
des Tages allzu lose Enden,
die ich mich mühte, zu verbinden.

Der Schlaf lässt mich durch Welten wandeln,
die keine Grenzen je durchschneiden,
er wagt sich, jenes zu verbandeln,
bei dem sich sonst die Geister scheiden.

Wie oft hab ich vor Gram geschwächelt,
als ich mich nachts zur Ruhe legte.
Und morgens hab ich dann … gelächelt,
weil mich der Schlaf dorthin bewegte.

Drum blüht die Hoffnung stets auf 's Neue,
dass ich dem Gestern nun entronnen,
dass aller Unbill sich zerstreue
im Heute, das mir wohlgesonnen.

So trag mich, Schlaf, auf deinen Armen
von einem Tag zum andern hin,
zu einem schönen, sonnenwarmen,
an dem ich frohen Mutes bin.

© by ody
strich
Zaghaft
Ich schaue nur und schweige,
damit kein Wort verwirrt,
und ich dir ja nicht zeige,
was mir im Innern schwirrt.

Als ob ich leishals riefe,
und bliebe ungehört.
Kein Laut aus tiefster Tiefe,
der nichts hinaufbeschwört.

Ein Sehnen aus der Ferne,
dass nicht zu nahe tritt.
Und doch ... hab ich dich gerne.
Machst du den ersten Schritt?

© by ody
strich
Guter Rat
„Weite deine Lebenskreise
und verreise“, sang die Meise,
als sie hoch zum Himmel strebte,
und dann Richtung Süden schwebte.

Wenn sie 's auch nicht mehr erlebte,
weil sie vorn am Flugzeug klebte,
war der Rat der kleinen Meise
doch im Grunde ziemlich weise.

© by ody
strich
Trotz aller Liebe
So manches Mal, da möcht man gern
und weiß sich nicht, zu finden,
man hält die Fäden in der Hand
und weiß sie nicht, zu binden.

Man müht sich wohl, tagaus, tagein,
weil ja die Herzen pochen,
doch jede Brücke, die gebaut,
ist kurz darauf zerbrochen.

Bei aller Liebe treffen sich
noch längst nicht beide Seelen,
die sich, obwohl sie 's gar nicht woll'n,
doch immerzu verfehlen.

Man tut sich weh und weher noch,
bis dann die Kräfte schwinden
und schließlich dann die Hoffnung stirbt,
den anderen zu finden.

© by ody
strich
Besonders
Am Himmel leuchten hell und klar
so viele tausend Sterne.
Nur einer leuchtet heller noch.
G'rad den hab ich so gerne.

© by ody
strich
Die Tulpe oder Auf ein Neues
Zauber erster Frühlingstage,
die sich früh- und späthin recken
und in milder Südhanglage
eben eine Tulpe wecken.

Dort im jüngst erwärmten Boden
wo sie ruhte, herbstversunken
hebt aus dichtem Rasensoden,
sich die Knospe schlafestrunken.

Und sie streckt ins Himmelblaue
nach des Winters Kälte wieder
in die Frühlingsluft, die laue,
ihre saftig-grünen Glieder.

Hoch ins Angesicht der Sonne,
hebt errötend sie die Blüte,
wo der Wind sie voller Wonne
wiegt mit kindlichem Gemüte.

Mutig fliegt die erste Biene,
taucht ins Rot der frühen Blume.
Ringsumher durchwebt das Grüne
mehr und mehr die Bodenkrume.

Hauch der ersten Frühlingstage,
die dem Gestern nun entrinnen
und dir leise flüstern: "Wage
dich, von Neuem zu beginnen!"

© by ody
strich
Lieb-Los
Was wir mit Perfektsein auch immer bezwecken,
und sei 's drum, sich endlich mal sicher zu wiegen,
heißt ständig die Hände auf Brechen und Biegen,
doch meist auch vergeblich, gen Himmel zu strecken.

Perfekt sein heißt schön sein. Ein Grund, uns zu lieben,
so hoffen wir eisern bei all uns'rem Streben,
Doch meist ist in strebsamen, rastlosen Leben
die Liebe perfekt auf der Strecke geblieben.

Die Liebe, sie will sich nur einfach verschwenden.
Sie gibt keine Antwort und stellt keine Fragen,
doch schafft sie, uns Menschen an Orte zu tragen,
die wir, wenn 's perfekt wär, im Leben nicht fänden.

© by ody
strich
Time für'n Reim
Ab dem Moment, wo ich zur Nacht
die tagesmüden Lider schließe,
bis hin zu jenem Augenblick,
wo mich empfängt des Schlafes Süße,
kann ich im Dunkeln und im Stillen
mal munkeln, mal in Reime hüllen,
was jenseits Stirn das Hirn durchrührt
und mich so gerne amüsiert.

So will er mal, der Killerwal;
es heften, reißen kleine Zwecken.
Ja, überhaupt scheint jedes Wort
oft nur ein Witz um tausend Ecken.
Sei auf der Hut, hab auf die Hüte;
trag diese, rauch die and're Tüte.
Sei Kind geschwind, das sprachverspielt
auch hinter die Fassaden schielt.

Verbales Wandern, einschlaflang.
Beschickert an der Denkbar hocken,
wo Wort um Wort in Gläser rinnt,
bis schlanke Schweine Schlachter schocken
und ich gelind zu sagen wage,
dass ich Gerlindes Schlüpfer trage.

Ist nur ein Scherz,
weil Time für 'n Reim.

Im Bett vergraben und daheim,
hab ich das Leben kurz belacht,
mir ein, zwei Verse drauf gemacht
und nu is Schluss!
Im Schlafesfluss
versinkt mein Tag, wird fortgetragen
(vom Heut ins Gestern, mag man sagen)

Bis morgen aber bleiben mir
die zwei, drei Verse auf Papier;
vorm Schlafen schnell noch aufgeschrieben:
Dem Gestern entrissen,
von hüben nach drüben.

© by ody
strich
Lieb mich
Lieb mich, wenn der Tag beginnt,
lieb mich auch, wenn er verrinnt.
Lieb mich frei und auch gefangen,
lieb mich mutig, lieb mein Bangen.
Lieb mich nah und lieb mich fern.
Und wenn nicht: Dann hab mich gern.

© by ody
strich
Einsicht
Da thronst du nun,
du armer Tropf,
mit nacktem Arsch
auf deinem Topf
und ahnst im Stillen,
was du bist:
Ein Produzent
von zu viel Mist.

© by ody
strich
Wenn ...
Das erste Mal, wenn 's denn passiert,
wird mich in alle Himmel heben,
wenn mich nur einer erst berührt,
wird wohl mein Innerstes erbeben.
Wenn 's denn passiert,
läuft 's wie geschmiert,
doch will 's mir nicht passieren.
Will mich auf dieser ganzen Welt
denn keine Sau verführen?

© by ody
strich
Die Liebe
Hab sie erlebt
und auch verloren.
Ich hab getanzt
bis die Musik verklang.
Sie starb in dem Moment
als sie geboren,
als sie sich auf
zu höchsten Höhen schwang.

Ich trank den Kelch
bis hin zur bitt'ren Neige,
wohl weil der Wein
so süß wie nie zuvor.
Und wenn ich ab und an
mit einem Lächeln
von ihr schweige,
dann, weil ich so viel mehr gewann,
als ich verlor.

© by ody
strich
Endlich
So satt, wie ich, das Wiesengrün,
in dem ich frühling-schnuppernd liege.
Noch tiefer als das tiefe Gras
geh'n meine vollen Atemzüge.
Weit über mir, im Apfelbaum,
hör ich die drallen Hummeln brummeln,
seh Schmetterlingen lächelnd zu,
die sanft den Löwenzahn befummeln.

Ich schau den Anfang, rieche, lausche
und aale mich im Wonnewetter.
Ich denk noch an den letzten Schnee
beim Fallen weißer Blütenblätter,
doch ist das Gestern längst dahin,
für's Heute werden Mücken schwärmen.
Und wieder mal scheint sich die Welt
für etwas Neues zu erwärmen.

© by ody
strich
Im Fluss
Wie gut, dass uns're heile Welt,
nur immer eine Weile hält,
bis sich im Fluss die Kreise schließen,
die dann am Schluss ins Neue fließen.

© by ody
strich
Ausgeglichen
Ich kraule durch mein Lebenswasser,
tauch auf, bedenke, atme ein.
Dann sink ich wieder in die Fluten,
ins Nass, in mich und in mein Sein.

Doch halt ich mich zu lange oben,
und pump nur Luft in meine Lungen,
sind die Versuche, abzutauchen,
mir immer wieder gern misslungen.

Genauso, wenn ich unten bleibe,
und satt durch Wasserweiten schwebe,
so lange, bis ich atemlos
und fast schon panisch aufwärts strebe.

Zeig ich mich aber ausgeglichen,
im Gleichklang meiner Atemzüge,
spür ich des Lebens steten Fluss,
in dessen Wellen ich mich wiege.

© by ody
strich
Ach wenn doch
Ach wenn doch der Herbst
nicht so herbstlich wäre
mit seiner Abschiedsschwere,
die an seidenen Fäden hängt
und zu Boden drängt
wie die baumelnden, taumelnden Blätter
im Regenwetter.

Nach langem Dösen
sich lösen,
im tanzenden Reigen
von nasskalten Zweigen,
Blatt für Blatt,
Glück für Glück.
Ein Blick zurück.
Traurig vielleicht,
vielleicht auch nicht
und vom Winde verwehen.
Wohin, wird man sehen.

Den Abschied verwinden,
sich wiederfinden,
im Frühling,
im nächsten Jahr.
Und nichts wird mehr sein
wie 's mal war.

© by ody
strich
Entdecken
Die Nacht lässt mich zur Seele tauchen.
In warmer Dunkelheit versiegt
die Flut der Bilder eines Tages.
Die Welt wiegt sich in aller Stille
und in mir hauchen zarte Stimmen
von dem, was tief verborgen liegt.

Die Nacht lässt mich die Seele finden
entdecken, was noch unentdeckt
in manchen Winkeln wartend schlummert.
Die Neugier reckt sich in die Kronen
und Schlangen winden sich durch Zweige,
wo sich mein Innerstes versteckt.

Die Nacht lässt meine Seele baumeln,
als warte sie und hielte still,
damit ich sie auch ja ermesse.
Drum Nacht, verhüll mir Tag und Lärmen,
und lass mich taumeln durch die Seele:
So lange, bis ich schlafen will.

© by ody
strich
Kein Zweifel
Kein Zweifel, dass in dieser Nacht
der Gute Mond am Himmel steht,
dass selbst nach einem schwülen Tag
doch irgendwann ein Lüftchen weht.

Kein Zweifel, dass der Frühling bald
den Wald mit zartem Grün umflort,
dass grade, wenn du schlafen willst
der Nachbar in den Wänden bohrt.

Kein Zweifel, dass nach all der Zeit
du mir noch immer alles bist.
Und wenn da doch mal Zweifel war,
dann haben wir ihn weg geküsst.

© by ody
strich
Widerspruch
Wenn nix mehr is wie et is,
krieg ich Schiss und vermiss
meinen Halt.
Is nix mehr da, was mal war,
was vergangen und alt,
wo ich gerne drauf baue
und dem ich vertraue,
dann macht 's mich nervös,
ja manchmal auch bös.
Ich fühl mich verlassen
so gar nicht geborgen.
Und doch - spür ich Lust
auf die Fremde, auf Morgen
und kann meine Neugier
mal wieder nicht fassen.

© by ody
strich
Nachsicht
Ich verzeih mir so gern
und versteh mich so gut.
Ich hab manchmal Angst
und ich hab manchmal Wut.
Dann streit ich mit mir
und auch gerne mit andern.
Ich bin voller Neugier
beim fröhlichen Wandern
durchs Leben und selbst,
wenn ich falle und heule,
dann ist es „mein” Stolpern
und auch „meine” Beule.

Ich will es ja so
und verzeih 's mir so gerne,
denn jenseits der Grenzen
erhoff ich mir Sterne,
nach denen ich zaghaft
wie hibbelig greife.
Ich pack sie beim Schopf
oder besser: Beim Schweife.
Das macht manchmal Angst
und Angst macht auch Wut.
Doch verzeih ich 's mir gerne.
Ich versteh mich so gut.

© by ody
strich
Rastlos
Wenn ich manchmal seh,
wie dein Lachen
in Gedanken ersäuft,
wenn dein Leben
so rastlos läuft,
dich immer weiter treibt,
und keine Ruhe bleibt
für dich,
tut's mir weh!

Wenn du stehst
und dich umschaust,
an Wasserstellen,
dich kaum zu trinken traust
wie Gazellen,
weil - es könnte ja ...,
es müsste doch ...,
drum sei auf dem Sprung
und üb dich in Eile.
Verweile nur selten
und wenn, dann sei wachsam!
So hör ich dich flüstern
mit bebenden Nüstern.

Und drinnen brennt Sehnsucht,
mal stehen zu bleiben,
die Zeit zu vertreiben -
am Meer zum Beispiel,
wo Unrast ertrinkt,
mit der Sonne versinkt
im Abendrot.

Einfach mal runterschalten
und innehalten,
das wünsche ich dir -
mit 'nem Gedicht.

Aber so einfach
geht's wohl nicht.

© by ody
strich
Entschlossen Unentschlossen
Will dich, will ihn,
will beide! Und?
An deinen
und an seinen Lippen
hängt immerzu
mein Zuckermund,
sehnt sich zum and'ren
immerfort,
bin ich beim einen,
fehlt mir dort
der andere.
An jedem Ort
bleibt meine Sehnsucht
ungestillt.
Wenn doch ihr beide
sie erfüllt,
dann will ich euch auch
lieben dürfen,
an einer großen Quelle
schlürfen,
gespeist von dem,
was ihr mir seid.
Ich will euch beide jederzeit
und nah, und ohne Qual der Wahl!
Jaja, ich weiß,
ich spinn' total,
weiß aber auch,
dass ich euch liebe.
Worauf ich mein totales Spinnen
in diesem Falle
gerne schiebe!

© by ody
strich
Einen Kuss lang
Glücklich war ich
einen Kuss lang,
nie davor und nie danach,
als für ein paar Augenblicke
sich mein Herz
durch Mauern brach.
Einen Kuss lang
war ich glücklich,
schwang mich auf
zu deinen Lippen,
tanzte einmal sich'ren Fußes
auf den hohen, feuchten Klippen,
fern der Wiesen und der Bäume.
Einen Kuss lang sang ich Lieder,
seh mich heut noch fröhlich tanzen,
und bin glücklich, immer wieder,
wenn ich diesen Kuss lang träume.

© by ody
strich
Wort- und kopflos
Manchmal geb ich mir selbst nicht preis,
was sie weiß,
und lass mich im Dunk'len tappen.
Ich will dann nur um mich hauen,
mir gar nicht vertrauen,
das es schon gut ist, wie es ist,
auch wenn ich mich nicht verstehe.
Für mich sind 's die schlechten Happen,
die ich da kaue und mühsam verdaue,
als ob ich nicht sähe,
was in mir ist
und keine Antwort braucht,
was einfach ist wie es ist,
und keine Worte vermisst,
was einfach schweigt und mir zeigt,
wie ich mich wort- und kopflos
ins Leben strecke
und dabei selbst entdecke.

© by ody
strich
Wiederentdeckt
Fühl mich wie ein alter Meister,
den das Leben retuschierte,
dem ich, weil ich 's wohl auch wollte,
allerhand ins Antlitz schmierte.

Doch der Anstrich ist marode,
also kratze ich und schabe.
und so löst sich vom Darunter,
was ich drauf gepinselt habe.

Nach und nach erblick ich Farben,
die von jeher meine waren,
die ich aber immer wieder
übermalte in den Jahren.

Für ein Bild gab 's schließlich Regeln,
denn es musste ja gefallen.
Nicht nur mir war 's recht zu machen,
sondern eben möglichst allen.

Wo blieb ich? Im Hintergrunde.
Hab mich quasi weggestrichen,
und das Abbild meiner Seele
ist mir mehr und mehr verblichen.

Also gilt 's, den Farbenreigen
einmal mehr zu restaurieren.
Will ihn seh'n, den alten Meister
und mich endlich wieder spüren.

Ob ihr 's mögt, das werd ich sehen.
War zu lange ausgestellt.
Ich will heut - vor allen Dingen,
dass mir selbst mein Bild gefällt.

© by ody
strich
Hingerissen
Ich küss dich überall
und nirgendwo,
küss deinen Bauch
und deinen Po.
Ich würd gern wie ein Köter
nach dir fassen
und mag so gar nicht
von dir lassen.
Du hast in einer Nacht
mein Herz gestohlen.
Lauf ja nicht weg,
ich geh nur Kaffee holen.

© by Ody