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"Ein Fall von Ostern"
"Jokers Lyrikpreis 2007" - Sonderpreis
Humor
- Ein Fall
von Ostern
- Mit der Nase
tief im Grase
sitzt beschützt der Osterhase
und bemalt dort kunterbunt
Ei um Ei im Wiesengrund.
Die fragille
Lesebrille
vor der schwächelnden Pupille
sorgt dabei für Kunstgeschick
via ei-geschärftem Blick.
Österliche
Landschaftsstiche,
zarte Farben, feine Striche
appliziert die Meisterhand
auf die Lein-, nein: Schalenwand.
Der verengte,
eingeschränkte,
hasenseits aufs Ei gelenkte
Blick ist für die nahe Sicht
klärend, doch fürs Weite nicht.
Sonst wohl sähe
er die Fähe,
sprich: die Füchsin, bei der Schlehe,
die dort kauert, tief geduckt
und zum Hasen rüberguckt.
Fuchsbesprungen,
zahndurchdrungen
und als Futter für die Jungen,
segnet Meister Lampe trist
kurz darauf, was zeitlich ist.
Meute winselt,
Blut gerinnselt.
Hase, du hast ausgepinselt.
Unvollendet bleibt dein Werk
dort im Tale, hinterm Berg.
Doch man spendet
kunstverblendet,
Beifall dem, was just vollendet,
wenn ein Meister Abschied nimmt
und sein Lampenlicht verglimmt.
Mit der Nase
tief im Grase
staunt man somit, was der Hase
hier der Nachwelt hinterlässt
und beschreibt nun mit Emphase
das Relikt der Schaffensphase
als den Stil der Kunst am Nest.
"Bolero"
"Wilhelm-Busch-Preis 2003" - 2. Preis
- Bolero
- In der Halle wird es leise.
Hin drapiert auf kühlem Eise
wartet Tanzpaar Müller-Schöne
auf Boleros erste Töne.
Leicht bekleidet, fast spartanisch,
wirken beide schon recht spanisch.
Er, geschmückt mit einer Rose,
viel zu knapper Kniebundhose,
steht, wie passend zum Bolero,
auf dem Eis wie ein Torero.
Lisa Schöne, taftumflossen,
liegt am Boden hingegossen,
so als müsste sie was büßen,
über Dieter Müllers Füßen
und umklammert zudem seine
glatt rasierten Wadenbeine.
Das wirkt alles sehr dramatisch,
wenn auch jetzt noch eher statisch.
Doch Boleros erste Regung
bringt die beiden in Bewegung.
Langsam, wie vom Takt geboten,
folgen sie den ersten Noten.
Schöne greift nach Müllers Händen,
um die Pose zu beenden.
Der hebt sie mit einem Male
aufwärts in die Vertikale,
wo er sie im Arme dreht,
bis sie auf den Kufen steht.
Schon geht 's weiter. Beide gleiten
in die Eislaufhallen-Weiten.
Schöne, noch vom Dreh'n benommen,
sieht das leider nur verschwommen
und verpasst, so kann 's dann gehen,
vor der Bande abzudrehen.
Also kracht sie, das ist schade,
erstmal in die Ballustrade,
lächelnd, wie sie 's einstudierte,
was nun aber dazu führte,
dass die Zähne, all die weißen,
sich im Bandenholz verbeißen.
Und da steckt sie fest und zittert
worauf Müller zu ihr schlittert,
sie an ihrer Hüfte packt
und dann im Bolero-Takt
mit Hauruck, du liebe Zeit,
Stück für Stück vom Holz befreit.
Kurz darauf, mit leichtem Wanken
löst sich Schöne aus den Planken,
fängt sich, lächelt. Eine Lücke
prangt im Perlweiß ihrer Brücke.
Doch die Punkterichter lauern.
Keine Zeit, sich zu bedauern.
Also schlittern Müller-Schöne
weiter durch die kühle Szene.
Arm in Arm und angeschlagen
wollen sie nun alles wagen.
Und so dreh'n sie Pirouetten,
um die Eislauf-Kür zu retten.
Beide wirbeln flott im Kreise,
doch sie wirbeln dummerweise
viel zu schnell, und so verlieren
sie den Rhythmus beim Rotieren
und dann vollends die Kontrolle
auf der spiegelglatten Scholle.
Wo nun fliehend Kräfte jagen,
taumeln beide, und sie schlagen
sich vor Augen der Juroren
ihre Arme um die Ohren,
heftig klatschend und man denkt so:
Hört sich an wie ein Flamenco.
Also klatschen plötzlich alle.
Jeder in der Eislaufhalle
glaubt, dass diese Pirouetten
ein gewolltes Ende hätten,
einstudiert im besten Sinne.
Müller-Schöne halten inne.
Beide stell'n sich kurz in Pose.
Schönes Brücke hängt jetzt lose,
Müllers Rose ist entblättert
und sein Nasenbein zerschmettert.
Wenn auch beide etwas bluten,
müssen sie sich weiter sputen.
Gleich soll Schöne leichthin schweben,
dass heißt: Müller wird sie heben,
über seinem Kopfe halten,
sie danach zusammenfalten,
zwischen seine Beine klemmen
und dann nochmal aufwärts stemmen.
Alles klappt, ein echter Knüller,
taftumflattert trägt der Müller
Lisa Schöne an der Hüfte
wie ein Engel durch die Lüfte.
Die verliert, oh Fahrtwind's Tücke,
nun den letzten Rest der Brücke.
Doch sie lächelt tapfer weiter.
Müller macht die Räuberleiter,
Schöne fällt, wird aufgefangen,
rollt sich ein, wird abgehangen
zwischen Dieter Müllers Schenkeln
- und verhakt sich in den Senkeln.
Und da klebt sie, Müller hebt sie,
aber blöderweise schwebt sie
diesmal nicht, sie bleibt ja pappen.
Müller denkt, das muss doch klappen,
reißt und zerrt an ihren Beinen
und in Folge auch an seinen.
So verliert er Halt und Boden
und versucht noch der maroden
Tanzfigur Format zu geben.
Also lächelt er mal eben,
kurz bevor sie beide fallen
und auf 's Eis der Halle prallen.
Gerade als Bolero endet,
liegen beide ausgeblendet,
fest verkeilt und sehr geplättet
in gefror'nes Nass gebettet.
Kein Applaus, die Menge schweigt.
Diese Kür scheint voll vergeigt.
Plötzlich aber brandet Jubel.
Selbst der letzte große Trubel
schien die Menge zu begeistern.
So was muss man erstmal meistern.
Wo beim Paartanz sieht man heuer
so viel Leidenschaft und Feuer.
Müller-Schöne, noch bedeppert,
weil erst grad auf's Eis gescheppert,
heben sich mit Müh und Not
wieder aufrecht, sprich: ins Lot
und verbeugen sich noch schwächelnd,
aber strahlend um sich lächelnd.
Ja, man weiß, beim Eiskunstlaufen
musst du eines: Dich verkaufen.
Ganz egal, was auch passiert,
lass es ausseh'n wie geschmiert,
und riskier ruhig ein paar Zähne.
Erster Preis für Müller-Schöne.
"Der Stierkampf und Luise"
"Wilhelm-Busch-Preis 2002" - 2. Preis
- Der Stierkampf und Luise
- Ach wie spanisch, schwärmt Luise.
Leicht bekleidet fächelt diese
sich, in der Arena sitzend,
unter heißer Sonne schwitzend,
mit dem Fächer - rote Seide,
passend zum geblümten Kleide -
etwas Kühlung auf die Wangen.
Hat noch gar nicht angefangen,
denkt sie und beäugt die Menge.
Voller Menschen sind die Ränge,
viele Frauen, schwarz gekleidet,
die Luise nicht beneidet.
Kann sie doch an Sonnentagen
dunkle Kleidung kaum ertragen.
Und so wendet sie dann lächelnd,
rot beblümt und seidig fächelnd,
ihren Blick ins Kampfgeschehen,
wo sich gegenüber stehen
nun ein Stier und ein Torero.
Ja, sie wünschte sich, es wär' so,
denn der Stier glotzt ihr entgegen.
Statt sich kämpfend zu bewegen,
scheint er grummelnd zu verharren.
Nur die Vorderhufe scharren,
während der Torero zittert
und vor Wut sein Tuch zerknittert,
weil das Vieh ihn nicht beachtet,
dem er nach dem Leben trachtet.
Aber auch Luise zittert,
die so gar nichts Gutes wittert,
denn der Stier gerät in Rage,
stürmt mit tierischer Courage
und, das kennt man, wütend schnaubend,
dabei heftig um sich staubend,
Richtung zitternder Luise.
Die bekommt 'ne Nervenkrise
hinter ihrer Balustrade.
Lieber Gott, es wär' nicht schade,
wenn er jetzt, von Degen mürbe,
geradewegs im Anlauf stürbe,
betet sie in erster Reihe,
hört die spitzen, hohen Schreie
all der andern, die erleben,
wie die Balustraden beben,
als der Stier, der grad noch rannte,
seinen Bremsweg wohl verkannte
und ins Holz der Bande schlittert,
wo Luise fächelnd zittert.
Mit geweiteter Pupille
hört sie 's krachen. Dann ist Stille.
Aber schon nach fünf Sekunden
hat der Stier den Bumms verwunden,
steht auch prompt auf allen vieren,
um Luise anzustieren,
die sich grad noch sicher wähnte
und erleichtert rückenlehnte:
Schließlich hatten ja die Banden
seinem Angriff widerstanden.
Doch der Stier, entschlossen manisch,
kommt Luise noch mal spanisch,
stellt sich auf die Hinterbeine.
Kastagnetten hat er keine,
aber im Flamenco-Schritte
tanzt er zur Arenen-Mitte.
Dabei zucken seine Hüften.
Hufe klappern in den Lüften,
und schon klatschen tausend Hände.
Zackig macht der Stier 'ne Wende,
starrt mit angelegten Ohren
auf Luise. Unverfroren
frisst er sie mit seinen Blicken.
Der kann doch nicht richtig ticken,
schreit Luise heftig fächelnd.
Als der Stier im Tanze hechelnd,
auf sie zu und vor ihr trampelt,
mit den Vorderhufen strampelt,
lässt das Vieh sich plötzlich fallen,
auf die Balustrade knallen,
fummelt mit den Vorderpfoten
schon am Kleid, dem rosenroten,
und er spitzt im vorwärts Kippen
seine breiten Rinderlippen,
küsst Luise feucht und sabbernd,
an den zarten Wangen schlabbernd,
was die Gute nicht verkraftet
und ihr das Gehirn entsaftet.
Bleich und blass sinkt sie von hinnen.
Anders gibt es kein Entrinnen.
Zwischen Bank und Balustrade
liegt Luise - sehr malade,
träumt von fernen, heilen Welten,
wo die alten Regeln gelten,
wo im Großen und im Ganzen
Menschen nur Flamenco tanzen
und die Stiere sich bescheiden,
mal zu kämpfen, mal zu weiden
und mit Kühen anzubandeln,
kurzum: Artgerecht zu handeln,
statt nach anderem zu stieren
und Toreros zu blamieren.
Ja, so eine Welt wie diese
wünscht sich träumend die Luise.
"Die Yorki-Trilogie"
"Wilhelm-Busch-Preis 2001" - 1. Preis
- So sorry, Pepita
- Kreischend steht Frau Basedow
auf der Yorkshire-Hunde-Show,
denn Pepita, preisverwöhnt
und auch heute preisgekrönt,
hängt in einem Husky-Rachen:
Ups, da kann man nix mehr machen.
Leise brechen kleine Rippen,
Frauchen scheint schier auszuflippen,
und bevor sie sich verguckt,
ist Pepita schon verschluckt,
geht auf Speiseröhrenreise
und beendet ihre Kreise.
Frau von Basedow, der Guten
ist nichts weiter zu zumuten.
Als der Husky sich erdreistet,
sich noch einen Rülpser leistet,
raubt es ihr die Contenance
und sie fällt in dumpfe Trance.
Merke: Den Pepita-Hündchen
schlägt nur allzu gern das Stündchen.
Rattengroß, hier liegt die Tücke,
wirken sie wie Schappi-Stücke
auf den großen starken Hund.
Tja und Schappi ist gesund.
- So sorry, Pepita (Nachruf)
- Frau von Basedow, erschüttert,
da Pepita jüngst verfüttert,
kann an keinem Grabe weinen,
nichts verblieb von den Gebeinen,
die vom Husky, dem perfiden,
wohlverdaut und ausgeschieden,
irgendwo im Grünen liegen,
gut besucht von vielen Fliegen,
die Frau Basedow beneidet,
weil sie fern des Leichnams leidet,
während Fliegen sich und Maden
in Pepitas Aura baden.
- So sorry, Bienchen
- Für die Nerven, die entblößten,
aber auch um sich zu trösten,
liebt Frau Basedow zur Stunde,
einmal mehr die and´ren Hunde.
Fips und Biene, diese beiden
mussten nicht per Husky scheiden.
Fröhlich kläffend an der Leine,
springen sie um Frauchens Beine.
Auf der Liegewiese oben
lässt Frau Basedow sie toben.
Fips, der bleibt an ihrer Seite,
nur die Biene sucht das Weite
und entdeckt ein Wild- Kaninchen.
Wolfs-Instinkt befällt das Bienchen,
welches Yorshire-mickrig ist,
dieses aber ganz vergisst.
Fürs Karnickel ist das Hündchen
mehr nicht als ein Schäferstündchen,
groß, wie die Kaninchendamen ...
fällt der Hund nicht aus dem Rahmen,
wird von hinterrücks erklommen
und in Rammlerart genommen.
Bienchen, gänzlich überrascht,
wird sekundenschnell vernascht.
Während sie so kopulieren,
Yorki-Schleifchen flott vibrieren,
scheint 's auch Hundchen zu gefallen.
Plötzlich hört man Schüsse hallen.
Kaum hat Bienchen es genossen
wird sie jägerseits erschossen,
während der, der sie gepoppelt,
ungeschor'n von dannen hoppelt.
Frau von Basedow erschauert
und der Jägersmann bedauert,
weil mit lüsternen Kaninchen
er verwechselte das Bienchen,
das dann auch noch sterben musste,
und so mehren sich Verluste:
Erst Pepita, jetzt die Biene.
Frauchens Nerven sind Ruine.
Merke: Yorkshire, willst du jagen,
bleib Kaninchen bloß vom Kragen.
Ignorier' die wilden Triebe,
nicht der Jungfernschaft zuliebe,
sondern ob der Jägerschaft,
die Kaninchen niederrafft.
Machst du Hoppel-Pop mit Ihnen,
kann die Kugel sich bedienen.
- So sorry, Fips.
- Frau von Basedow, geschlagen,
hat am Hundetod zu tragen,
der zuerst Pepita killte,
dann den Sarg mit Bienchen füllte.
Fips, den hält sie in den Armen.
Mag der Herrgott sich erbarmen,
ihr den Letzten zu erhalten:
Herr, oh Herr, lass Gnade walten!
Frau von Basedow, sie betet,
während sie das Fipschen knetet,
das gepresst in ihre Brüste,
eigentlich mal atmen müsste.
Doch sein Frauchen ist emphatisch.
Ihr Gebet wird sehr dramatisch,
und noch lange gibt 's kein Amen.
Fipsens Lebenskräfte lahmen.
Eingepfercht in Oberweiten
naht das Ende seiner Zeiten.
Frauchen scheint das nicht zu stören,
brustgedämpft ist nichts zu hören.
Nicht sein Jaulen, nicht sein Bellen,
keine Todesschreie gellen.
Nur die Pfötchen sieht man treten
und die Basedowsche beten.
Als sie dann mit Amen endet
und den Fips am Busen wendet,
kann sein Leibchen nur noch baumeln.
Basedow beginnt zu taumeln.
Fips hängt schlapp an seiner Leine,
Atemzüge hört sie keine.
Dass er starb an ihrem Busen,
will ihr Blutdruck nicht verknusen.
Frau von Basedow erleidet
einen Herzanfall und scheidet
aus dem hundeleeren Leben.
Fips liegt angeleint daneben!
© für alle Texte by ody
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